Bolzentreppen

Bolzentreppe – Konstruktion, Voraussetzungen und Planung

Bei einer Bolzentreppe tragen nicht Wangen die Stufen, sondern Stahlbolzen: wandseitig im Mauerwerk verankert, auf der offenen Seite über Distanzrohre miteinander verbunden. Das Ergebnis ist eine Treppe, die zu schweben scheint — und eine Bauart, die mehr von der Wand verlangt als jede andere.

Diese Seite erklärt, wie die Konstruktion funktioniert, welche baulichen Voraussetzungen erfüllt sein müssen, welche Maße die DIN 18065 vorgibt und wofür sich die Bauart eignet. Sie sagt auch, wo ihre Grenzen liegen.

Wie eine Bolzentreppe trägt

Die Bolzentreppe — fachlich auch Tragbolzentreppe — kommt ohne seitliche Wange und ohne Unterkonstruktion aus. Die Last wird über zwei Wege abgeleitet:

  • Wandseitig: Jede Trittstufe sitzt auf einem Wandlager, das mit Ankern oder Bolzen im tragenden Mauerwerk verankert ist.
  • Auf der offenen Seite: Bolzen verbinden die Stufen untereinander. Distanzrohre zwischen den Stufen halten den Abstand und leiten die Kräfte von Stufe zu Stufe weiter — bis in den Antritt und in das Geländer.

Weil die Stufen sich gegenseitig stützen, entsteht die typische offene Optik: kein geschlossener Unterbau, kein sichtbarer Träger, Licht fällt zwischen den Stufen hindurch. Genau diese Bauweise ist aber auch der Grund, warum die Wand zur entscheidenden Größe wird — sie übernimmt einen Teil der Last, den sonst eine Wange trägt.

Setzstufen gibt es bei einer Bolzentreppe konstruktionsbedingt nicht. Wird der Zwischenraum geschlossen, verschwindet die offene Wirkung, die die Bauart ausmacht.

Bolzentreppe, Wangentreppe oder Mittelholmtreppe?

Drei Bauarten werden häufig verwechselt, weil alle drei „modern" und „offen" wirken können. Der Unterschied liegt darin, was die Stufen trägt:

Bauart Was trägt die Stufen Anforderung an die Wand Optik
Bolzentreppe Wandlager plus Bolzen und Distanzrohre zwischen den Stufen Hoch — die Wand ist tragendes Bauteil Schwebend, vollständig offen
Wangentreppe Zwei seitliche Wangen Gering — die Treppe trägt sich selbst Klassisch, offen oder mit Setzstufen geschlossen
Mittelholmtreppe Ein mittiger Träger aus Stahl oder Holz Gering — die Last geht in Boden und Decke Schwebend wirkende Stufen, sichtbarer Holm

Wer die schwebende Optik sucht, aber keine geeignete Wand hat, landet in der Regel bei der Mittelholmtreppe. Sie erzielt eine ähnliche Wirkung und stellt an das Mauerwerk keine besonderen Anforderungen.

Das StarWood-Sortiment an Mittelholmtreppen lässt sich direkt online konfigurieren. Wie sich die übrigen Bauformen nach Platzbedarf und Komfort unterscheiden, zeigt der Überblick Treppenarten im Vergleich.

Die Wand entscheidet

Vor jeder Planung steht eine einzige Frage: Kann die Wand die Last aufnehmen? Bei einer Bolzentreppe ist das keine Detailfrage, sondern die Grundvoraussetzung. Die Wandlager übertragen bei jedem Schritt Kräfte in das Mauerwerk — dauerhaft und punktuell.

StarWood legt dafür keine pauschalen Mindestwerte fest. Ob eine Wand geeignet ist, welches Ankersystem infrage kommt und ob eine Ertüchtigung nötig wird, wird im Einzelfall geprüft — abhängig von Mauerwerk, Wandstärke, Geschosshöhe und geplanter Treppenbreite.

Was Sie für eine belastbare Einschätzung bereithalten sollten:

  • Aufbau und Material der tragenden Wand — und ob es sich überhaupt um eine tragende Wand handelt
  • Wandstärke und, falls bekannt, Angaben aus dem Statiknachweis des Gebäudes
  • Geschosshöhe im Fertigmaß, also einschließlich Estrich und Bodenbelag beider Geschosse
  • Verfügbare Lauflänge und gewünschte Treppenbreite

Eine Ständer- oder Trockenbauwand kommt als alleiniges Auflager nicht infrage. Ob sich eine Lösung über eine rückseitige Verstärkung finden lässt, ist eine Frage an den Statiker — nicht an den Treppenbauer allein.

Maße und Normen: DIN 18065

Die DIN 18065:2020-08 gilt für Treppen in und an Gebäuden, unabhängig vom Material [1]. Eine Bolzentreppe ist davon nicht ausgenommen. Für Wohngebäude mit bis zu zwei Wohnungen und für Treppen innerhalb einer Wohnung gelten diese Grenzwerte:

  • Steigung 14–20 cm, Auftritt mindestens 23 cm
  • Schrittmaßregel: 2 × Steigung + Auftritt = 59–65 cm
  • Nutzbare Laufbreite mindestens 80 cm
  • Lichte Durchgangshöhe mindestens 200 cm
  • Geländerpflicht ab 1 m Absturzhöhe; Mindesthöhe 90 cm, ab 12 m Absturzhöhe 110 cm
  • Lichter Abstand zwischen Geländerstäben höchstens 12 cm

Alle Werte gelten im gebrauchsfertigen Zustand, nicht im Rohbau. Die bauaufsichtliche Verbindlichkeit der Norm ergibt sich aus den Technischen Baubestimmungen des jeweiligen Bundeslandes; widerspricht die Landesbauordnung, hat sie Vorrang [2]. Die vollständige Maßübersicht mit Toleranzen und Rechenbeispielen steht im Ratgeber Treppenmaße nach DIN 18065.

Ein Punkt, der oft übersehen wird

Die 12-cm-Regel betrifft Geländerstäbe, nicht den Abstand zwischen den Trittstufen. Für offene Stufen macht die DIN 18065 keine entsprechende Vorgabe. In Haushalten mit kleinen Kindern ist der offene Zwischenraum trotzdem ein Thema, das in die Planung gehört.

Für barrierefreie Treppen gilt etwas anderes, und es betrifft diese Bauart direkt: Nach DIN 18040-1 (Ausgabe 2010-10, öffentlich zugängliche Gebäude) sind offene Setzstufen bei barrierefreien Treppen unzulässig [3]. Für Wohngebäude ist DIN 18040-2 (Ausgabe 2011-09) maßgeblich; sie verlangt unter anderem gerade Läufe [4]. Eine Bolzentreppe in ihrer typischen offenen Ausführung ist damit nicht barrierefrei im Sinne dieser Normen.

Vorteile und Nachteile

Wofür die Bauart spricht

  • Raumwirkung: Ohne Wange und ohne Setzstufen bleibt der Blick frei, Licht gelangt in den Treppenraum und dahinterliegende Flächen wirken größer.
  • Schlanke Konstruktion: Es gibt keinen geschlossenen Unterbau, der Platz beansprucht.
  • Reparierbarkeit: Einzelne Stufen lassen sich in der Regel tauschen, ohne die gesamte Treppe zu demontieren.
  • Reinigung: Offene Stufen sammeln weniger Staub als eine geschlossene Treppe mit Unterbau.

Was dagegen spricht

  • Die Wand ist Pflicht. Ohne tragfähiges Mauerwerk ist die Bauart nicht umsetzbar. Das schließt viele Bestandssituationen und den gesamten Trockenbau aus.
  • Aufwendigere Montage. Jedes Wandlager muss einzeln gesetzt und ausgerichtet werden. Das ist keine Selbstmontage.
  • Höhere Kosten als bei einer Wangentreppe vergleichbarer Größe — die Ursache liegt in Konstruktion und Montageaufwand, nicht im Material.
  • Trittschall. Punktuelle Wandbefestigung kann Geräusche in die Wand übertragen. Welche Dämmmaßnahme im Einzelfall greift, gehört in die Planung.
  • Nicht barrierefrei in der offenen Ausführung — offene Setzstufen sind nach DIN 18040-1 bei barrierefreien Treppen unzulässig [3].
  • Offene Stufen sind in Haushalten mit kleinen Kindern ein eigenes Thema.

Was eine Bolzentreppe kostet

Eine belastbare Zahl lässt sich für diese Bauart nicht pauschal nennen — zu viele Faktoren wirken zusammen, und die baulichen Voraussetzungen unterscheiden sich von Fall zu Fall stärker als bei jeder anderen Treppenart. Was den Preis bestimmt:

  • Stufenmaterial und Holzstärke — Holzart, Sortierklasse und Stufendicke
  • Anzahl der Stufen, abgeleitet aus der Geschosshöhe im Fertigmaß
  • Geländer — Ausführung, Material und Länge
  • Befestigungssystem, abhängig vom Mauerwerk und vom erforderlichen Ankertyp
  • Montageaufwand — Zugänglichkeit, Wandzustand, gegebenenfalls Ertüchtigung

Eine verlässliche Zahl entsteht erst, wenn die Wandsituation geklärt und die Maße aufgenommen sind. Bis dahin ist jede Angabe eine Schätzung.

Bestehende Bolzentreppe: renovieren, verkleiden, Stufen tauschen

Ein großer Teil der Fragen zu dieser Bauart betrifft keine Neuplanung, sondern eine vorhandene Treppe.

Einzelne Stufen tauschen

Weil jede Stufe über ihre eigenen Bolzen und Wandlager gehalten wird, lässt sie sich in vielen Fällen einzeln lösen und ersetzen. Entscheidend ist, dass die neue Stufe in Dicke, Länge und Bohrbild exakt zur bestehenden passt — der Bolzenabstand ist keine Variable. Maßgefertigte Treppenstufen aus Massivholz gibt es in Eiche, Buche und Fichte; für regelmäßig begangene Stufen kommen nur die beiden Harthölzer infrage.

Verkleiden und schließen

Der offene Zwischenraum lässt sich mit Setzstufen schließen. Das verändert die Wirkung der Treppe grundlegend — die schwebende Optik entfällt, dafür gewinnt die Treppe an Ruhe und Trittsicherheit. Wie das Nachrüsten abläuft und worauf es dabei ankommt, erklärt der Beitrag Setzstufen nachrüsten. Bei einer Bolzentreppe ist vorher zu prüfen, ob die Konstruktion die zusätzliche Fläche überhaupt aufnehmen kann.

Oberfläche erneuern

Abgenutzte Stufen lassen sich schleifen und neu behandeln, solange die Holzstärke das zulässt. Bei reiner Oberflächenrenovierung greift in der Regel Bestandsschutz; sobald konstruktiv eingegriffen wird, gelten die aktuellen Anforderungen der DIN 18065 [1].

Bolzentreppen bei StarWood

Klar gesagt: Bolzentreppen gehören nicht zum Standardsortiment. Es gibt dafür keinen Online-Konfigurator, kein Standardmodell und keinen Sofortpreis. Wer eine Bolzentreppe plant, bekommt von uns ein individuelles Angebot auf Anfrage — nicht mehr und nicht weniger.

Was wir dafür liefern können:

  • Stufen aus Massivholz in Buche und Eiche, Eiche wahlweise in ruhiger Sortierung oder im charakterstarken Rustikal-Look, in 40 mm Stärke
  • Geländer aus Holz oder Edelstahl — das Edelstahlgeländer-Sortiment zeigt die verfügbaren Ausführungen

Was wir nicht anbieten: Glasgeländer, Stufen aus Naturstein oder Granit und deckend lackierte Stufen. Wenn Sie eine dieser Ausführungen suchen, sind Sie bei einem spezialisierten Anbieter besser aufgehoben — das sagen wir lieber vorher als hinterher.

Montiert wird nicht von uns. Über Montagedienstleister in Ihrer Nähe vermitteln wir Betriebe, die den Einbau übernehmen. Bei einer Bolzentreppe ist das der empfohlene Weg — die Ausrichtung der Wandlager verzeiht keine Ungenauigkeit.

Schicken Sie uns Ihre Situation: tragende Wand, Geschosshöhe, verfügbare Lauflänge, gewünschte Breite. Wir sagen Ihnen ehrlich, ob es umsetzbar ist.

Unverbindliche Anfrage über das Kontaktformular

Häufige Fragen zur Bolzentreppe

Was ist eine Bolzentreppe?

Eine freitragende Treppe ohne seitliche Wangen. Die Stufen sind wandseitig über Wandlager im Mauerwerk verankert und auf der offenen Seite über Bolzen und Distanzrohre miteinander verbunden. Fachlich wird sie auch Tragbolzentreppe genannt.

Welche Nachteile hat eine Bolzentreppe?

Sie setzt eine tragfähige Wand voraus und ist ohne diese nicht umsetzbar. Die Montage ist aufwendiger und teurer als bei einer Wangentreppe, weil jedes Wandlager einzeln gesetzt und ausgerichtet wird. Punktuelle Befestigung kann Trittschall in die Wand übertragen. In der offenen Ausführung erfüllt sie die Anforderungen an barrierefreie Treppen nach DIN 18040-1/-2 nicht.

Welche Wand braucht eine Bolzentreppe?

Eine tragende Wand, die punktuelle Dauerlasten aufnehmen kann. Pauschale Mindestwerte gibt es nicht — die Eignung hängt von Mauerwerk, Wandstärke, Geschosshöhe und Treppenbreite ab und wird im Einzelfall geprüft. Eine Ständer- oder Trockenbauwand kommt als alleiniges Auflager nicht infrage.

Kann man eine Bolzentreppe verkleiden?

Der offene Bereich zwischen den Stufen lässt sich mit Setzstufen schließen. Die schwebende Optik entfällt damit. Ob die vorhandene Konstruktion das zulässt, ist vorab zu prüfen.

Lässt sich eine Bolzentreppe renovieren?

Ja. Einzelne Stufen lassen sich in der Regel tauschen, weil jede über eigene Bolzen und Wandlager gehalten wird. Dicke, Länge und Bohrbild der neuen Stufe müssen exakt passen. Abgenutzte Oberflächen können geschliffen und neu behandelt werden, solange die Holzstärke es zulässt.

Was kostet eine Bolzentreppe?

Eine pauschale Zahl wäre irreführend. Den Preis bestimmen Stufenmaterial und -stärke, die Stufenanzahl, das Geländer, das Befestigungssystem und der Montageaufwand. Eine belastbare Angabe entsteht erst, wenn die Wandsituation geklärt und aufgemessen ist.

Ist eine Bolzentreppe barrierefrei?

In der typischen offenen Ausführung nicht. DIN 18040-1 lässt offene Setzstufen bei barrierefreien Treppen nicht zu [3]; für Wohngebäude verlangt DIN 18040-2 zusätzlich gerade Läufe [4]. Wer barrierefrei planen muss, ist mit einer geschlossenen Bauart besser beraten.

Kann ich bei StarWood eine Bolzentreppe bestellen?

Nicht als Standardartikel und nicht über einen Online-Konfigurator. Bolzentreppen fertigen wir ausschließlich auf Anfrage. Schreiben Sie uns über das Kontaktformular oder per E-Mail mit Ihrer Bausituation — wir prüfen, ob sich Ihr Vorhaben umsetzen lässt.

Quellen

[1] DIN 18065:2020-08 — Gebäudetreppen: Begriffe, Messregeln, Hauptmaße. Deutsches Institut für Normung e. V. Aufbereitet im StarWood-Ratgeber „Treppenmaße nach DIN 18065".

[2] Technische Baubestimmungen (LTB/MVV TB) der Bundesländer — Einführung der DIN 18065 je Bundesland. Bauministerkonferenz.

[3] DIN 18040-1 „Barrierefreies Bauen – Planungsgrundlagen – Öffentlich zugängliche Gebäude", Ausgabe 2010-10.

[4] DIN 18040-2 „Barrierefreies Bauen – Planungsgrundlagen – Wohnungen", Ausgabe 2011-09.

Stand: September 2026. Angaben zum lieferbaren Umfang: StarWood Treppenshop, September 2026.

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